Tai Chi
Für mehr Entspannung, Gesundheit und Vitalität



Die Tai Chi Fast Form im Yang Stil

Im Westen ist Tai Chi weitläufig als „Meditation in Bewegung“ bekannt und geschätzt. Die gesundheitlichen Wirkungen auf den Körper und das Gemüt stehen seit vielen Jahren im Zentrum der Betrachtung und allgemeinen Aufmerksamkeit. 

In den meisten Kursen und in der deutschen Literatur wird deshalb nur wenig auf die eher kämpferischen Aspekte des Tai Chi als inneren Stil der traditionellen chinesischen Kampfkünste eingegangen. Das ist sehr bedauerlich, da letztendlich das umfassende und vollständige System eben genau das hervorgebracht hat, was heute Land auf, Land ab als wertvoll gilt und so hoch geschätzt wird.

Ganz langsam hat sich deshalb ein etwas verfälschter Blick entwickelt. Entweder wurde die Kampfkunstelemente der Form mehr oder weniger geleugnet, vergessen, unterschlagen oder der ganze Themenkomplex wurde der Vergangenheit zugerechnet und als abgeschlossen und überholt erklärt. 

Was dann noch bleibt, ist die Hoffnung auf eine therapeutisch wirksame Heilgymnastik und eine Energiemeditation in Bewegung. Besonders unsinnig sind in diesem Zusammenhang vorgeschobene Argumente, die sinngemäß erklären, die Lange Form sei das innere Training und Tui Shou wäre die Anwendung. Geradezu gruselig wird es, wenn  behauptet wird, man müsse nur lange genug und tiefvergeistigt üben, um irgendwann schnell und stark zu werden.

Das klingt stark nach einer sektenhaften Glaubenslehre zur plötzlichen Erleuchtung und erscheint mir wenig plausibel im Kontext einer Kampfkunst.

Denken wir uns die Sache doch mal aus einer anderen Richtung. Eine Kampfkunst wurde gelehrt und gelernt, um wirksam zu sein. Das Erlernen einer Kampfkunst war und ist mit intensiver Arbeit und auch mit Anstrengungen verbunden. Es ist eine persönliche Investition. Es wird Zeit, Mühe und auch Geld ausgegeben, um diese Techniken zu erlernen.

In einem weltlichen Kontext ist das nur dann hilfreich und sinnvoll, wenn diese Kampfkunst innerhalb eines vernünftigen Zeitraumes zu brauchbaren Ergebnissen führen kann. 

Mein Lehrer pflegt immer zu sagen: "Man kann, was man übt“ und „Die Form ist die Anwendung“.  Das klingt plausibel.

Wenn wir uns andere Tai Chi-Stile wie zum Beispiel die Chen-Formen ansehen, so finden wir dort durchgängig mehr kraftvolle und schnelle Elemente als im Yang Stil üblicherweise unterrichtet und geübt werden. 

Aber das Schnelle und Kraftvolle gehört inhärent zum Tai Chi als vollständigem System einer inneren Kampfkunst und die entsprechenden Methoden und Übungen lassen sich auch im Yang Stil finden. Wobei es möglicherweise etwas Mühe kostet, die entsprechenden kompetenten Quellen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz zu identifizieren.

Dabei versteht es sich fast von selbst, dass es nicht sinnvoll und zielführend ist, die Lange Form einfach nur schneller oder impulsiver zu laufen. Dafür wurde sie nicht entwickelt. 

Besser ist es, eine völlig eigenständige Form und entsprechende vorbereitende Übungen für ein schnelles und kraftvolles YangTai Chi Training zu nutzen. Mit Hilfe einer spezifischen Fast Form gilt es, eine neue Sichtweise auf die eigene Bewegung zu entwickeln und neue Fertigkeiten und Fähigkeiten entstehen zu lassen. Es geht mehr um Fokussierung und Konzentration der Gedanken und der Absicht. Die hierfür passende Form unterscheidet sich in ihren Winkeln, Schritten und Richtungen. Es ist alles eher funktional, gradliniger und auf Effektivität und Effizienz hin optimiert. Es geht um die kämpferische Anwendung und um die Annäherung an das entsprechende Timing und die notwendige Energetik.

Die alte lange Form und die Fast Form sind sich in Ihrem Wesen ähnlich und doch so verschieden. Sie ergänzen einander.

Es ist wie der Unterschied zwischen einer Limousine und einem Sportwagen.